About
Baggenstos/Rudolf
Heidy Baggenstos & Andreas Rudolf werden von der mehr-als-menschlichen Welt immer wieder überrascht und zum Staunen gebracht.
Eine Faszination und Verwunderung, die sich in ihre Kunst und Forschung einschreibt.
Sie interessieren sich für Mensch-Natur-Beziehungen, bei welchen der Mensch als integrierter Bestandteil eines Systems angesehen wird und nicht nur als Herrscher und Nutzniesser in ein System eingreift.
Die Beziehung Mensch-Natur lässt sich auch in umgekehrter Reihenfolge denken, als Natur-Mensch-Beziehung.
Sie stellen den Naturbegriff an erste Stelle und drehen die Perspektive um.
Gibt es eine andere Sicht als nur die Sicht des Menschen auf die Welt?
Baggenstos/Rudolf
halten sich gerne draussen und im Wald auf.
- Pilze ziehen sie an ihrem Blick zu sich auf den Boden herunter -
Wenn wir über Pilze nachdenken, besteht in unserem Kultur- und Sprachraum die Neigung, sie sowohl als Objekte zu benennen, als auch sie lediglich als Objekte zu betrachten.
Sie sind schön anzuschauen, sind essbar oder fotogen. Doch hinter dieser Oberfläche der Wahrnehmung verbirgt sich ein Lebewesen, das mehr ist als nur ein Körper. Es sind Lebewesen, die etwas tun oder lassen.
Augenfällig sind insbesondere jene, die von sich aus Licht hervorbringen können und nachts sichtbar sind. Obwohl in Europa nur wenige solche bekannt sind, haben Baggenstos/Rudolf Spezies gefunden, die im Laufe der Geschichte vergessen geraten sind, oder die sie überhaupt als erste entdeckt haben.
Der lokale Wald zeigt plötzlich eine unerwartete Seite von sich und kann unter einem neuen Blickwinkel betrachtet werden.
Die Hoffnung ist, dass neue Blickwinkel eine weniger anthropozentrische Sichtweise fördert und die Mensch-zentrierte Fixierung aufweicht.
Die Arbeiten von Baggenstos/Rudolf
sind oft mehrteilig und streben eine Vielschichtigkeit an, um mehrere Perspektiven zu ermöglichen und Dualismen zu vermeiden.
Das schlägt sich auch in der Wahl der Medien nieder.
Sie arbeiten mit Konzepten, mit dem zeitbasierten Medium Video und Time lapse Video, mit Fotografie, am liebsten mit Installation und Objekten, die oft performativen Charakter aufweisen.
Manchmal wenden sie Verfahren des Experiments an, um Erkundungen in der Wirklichkeit zu machen, deren Prozesse aufgezeichnet oder dokumentiert werden.
Zu manchen Projekten entstehen ausufernde Recherchen, die sie zusätzlich auf ihrer Webseite zugänglich machen. Getrieben von Neugier und Fragen verstricken sie sich zuweilen in Forschungstätigkeiten, die in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen schon zu Peer-Review-Artikel in der Fachzeitschrift Mycoscience führten.
Baggenstos/Rudolf
verfolgen in ihren jüngsten Arbeiten Überlegungen, die an die Regeln des Haiku, einer uralten Gedichtform, angelehnt sind.
1. Die Arbeit soll etwas, das ausserhalb der menschlichen Natur liegt enthalten.
2. Lebewesen sollen immer als Subjekte, als eigenmächtige Selbste und nie als Objekte angesehen werden.
3. Die Arbeit soll sich auf ein „einmaliges“ Ereignis (eine „einmalige“ Situation) beziehen;
4: Das Ereignis (die Situation) soll als gegenwärtig dargestellt und nicht als vergangen berichtet sein.